Dürre in Italien: Was bedeutet das für den Urlaub?
Im letzten Jahr herrschte in Italien die schlimmste Dürre seit 70 Jahren – 2023 verspricht keine Besserung. Die Urlaubsbranche blickt besorgt auf den Sommer, doch schon jetzt sind Auswirkungen spürbar.
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Es sind erschreckende Bilder: Im beliebten Touristenziel Venedig liegen die Gondeln auf dem Trockenen. Die im Gardasee liegende Isola di San Biagio, auch „Kanincheninsel“ genannt, ist zu Fuß zu erreichen. Möglich ist das, weil der Pegelstand des Sees so niedrig ist, dass die normalerweise unter Wasser liegende Landzunge vom Ufer des Sees zur Insel begehbar geworden ist. Ganz Norditalien kämpft derzeit mit einer historischen Dürre.
An den populären Badeseen der Region – dem Lago Maggiore, dem Lago d’Iseo und dem Comer See – ist die Lage ebenfalls dramatisch. Die Pegelstände der Seen sind deutlich niedriger als im letzten Jahr zu dieser Zeit. Und bereits 2022 kämpfte Italien mit der schlimmsten Dürre seit 70 Jahren.
Was derzeit besonders für die Landwirte Norditaliens ein Problem darstellt, trifft auch den Tourismus. In Venedig erfreuen sich Touristinnen und Touristen üblicherweise gerne an einer romantischen Gondelfahrt durch die Kanäle der Stadt, vielerorts ist das jedoch gar nicht mehr möglich. Denn die Wasserwege haben sich teilweise in schlammige Gräben verwandelt. Wie der „Spiegel“ berichtet, müssen sogar Ambulanzboote und die Feuerwehr lange Umwege in Kauf nehmen, da die Kanäle nicht befahrbar sind.
Wasserknappheit bereitet Urlaubsbranche Sorgen
Spätestens im Sommer könnten die Auswirkungen auf den Tourismus noch härter sein. In der vergangenen Hauptsaison war in den Regionen Emilia-Romagna, Friaul-Julisch Venetien, Lombardei, Piemont und Venetien der Dürrenotstand ausgerufen worden.
Der Zugang zu Trinkwasser wurde beschränkt. Gärten zu bewässern, Autos zu waschen oder Schwimmbäder und Pools aufzufüllen wurde unter Strafe gestellt – mehrere Hundert Euro waren bei Verstößen fällig.
Normalerweise ist die Isola di San Biagio im Gardasee nicht zu Fuß zu erreichen.
Im Urlaub zu entspannen fällt dann natürlich nicht leicht. Wegen der Hitze mussten Reisegäste aufgrund des beschränkten Zugangs zu Wasser aufpassen, sich nicht zu überschätzen und Hitzeschläge zu bekommen.
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Die beliebten Urlaubsseen, wie der Gardasee oder der Lago Maggiore, führten zwar genug Wasser, damit Touristinnen und Touristen weiterhin baden konnten. Allerdings wurde schon im letzten Jahr davor gewarnt, dass aufgrund der niedrigen Pegelstände Felsen teilweise nur knapp unter der Wasseroberfläche liegen könnten.
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Der bisherige Wettertrend lässt für den Sommer 2023 Schlimmes befürchten. Wie der „Merkur“ berichtet, haben sich die Kommunen um den Gardasee deshalb schon zu einer Krisensitzung getroffen.
Kann Urlaub aufgrund von Dürre storniert werden?
Wenn Naturkatastrophen – wie Erdbeben, Brände oder Dürren – den Urlaubsort treffen, dann handelt es sich dabei im Reiserecht um außergewöhnliche Umstände. In diesen Fällen kann es möglich sein, den Urlaub kostenlos stornieren zu können. Wichtig ist es aber, genau hinzuschauen.
Denn: „Die Voraussetzung ist, dass die Reise durch außergewöhnliche Umstände tatsächlich konkret beeinträchtigt ist“, so Karolina Wojtal, Juristin und Projektleiterin beim Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland.
In Fall von Norditalien bedeutet das also: Reisen können nur dann kostenlos storniert werden, wenn es in dem Gebiet aufgrund der Dürre zum Beispiel zu Bränden kommt, die den Urlaubsort konkret bedrohen.
Die reine Angst vor Naturkatastrophen wie Bränden oder die Sorge, den Urlaub nicht wie geplant genießen zu könen, sind keine Stornogründe, stellt Reiserechtsanwalt Paul Degott klar.