Wird Urlaub in Deutschland im Sommer 2020 teurer?

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Wochenlang mussten wir unser Fernweh zu Hause mit virtuellen Reisen und Mikro-Abenteuern stillen. Nun machen die Corona-Lockerungen so langsam wieder Hoffnung auf einen nahenden Urlaub. Die Vorfreude steigt.

Und die Buchungen für Ferienunterkünfte und Hotels an beliebten Reisezielen Deutschlands steigen gleich mit. Aber auch, wenn du dich im Sommer ins Auto setzt und ans Meer oder in die Berge fährst, die Pandemie reist mit. Dieser Urlaub wird anders sein.

Ob Reisen auch teurer werden, wo du Geld sparen kannst, wo es überhaupt noch freie Unterkünfte gibt und wann du am besten buchen solltest, verraten wir dir im Überblick.

Wird der Sommerurlaub in Deutschland teurer?

Der wochenlange Stillstand in der Tourismusbranche hat nicht nur Reisefans, sondern auch Anbietern der Branche viel abverlangt. Reiseveranstalter, Hoteliers und Gastgeber von Ferienunterkünften haben herbe Verluste eingefahren. Wird der Urlaub also teurer? Bisher müssen sie offenbar nicht grundsätzlich mehr Geld in die Hand nehmen, wie ein Blick auf den Markt zeigt. 

Experte: Ferienunterkünfte werden nicht generell teurer

„Eine aktive Preiserhöhung durch die Gastgeber der Ferienunterkünfte können wir nicht beobachten“, sagt Jonas Upmann, Sprecher der Ferienhaussuchmaschine Hometogo.

Durch die gestiegene Nachfrage nach Ferienunterkünften in Deutschland seien aber die günstigeren Objekte, Deals beziehungsweise Angebote schlichtweg schneller ausgebucht. Dadurch finden Nutzer oftmals nur noch teurere Angebote in den Suchergebnissen vor. „Dadurch kann schon einmal der Eindruck entstehen, dass die Preise in diesem Jahr gestiegen sind.“

Fakt sei aber: Die Preise der Ferienunterkünfte in Deutschland bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau wie im vergangenen Jahr. Laut Upmann liegt das auch daran, dass den Gastgebern eine langfristige Bindung ihrer Gäste wichtiger sei als ein kurzzeitiger dynamischer Preisanstieg.

Unterkünfte teurer? Keine Privatzimmer mehr auf Airbnb

Einen ähnlichen Eindruck bekommt man bei einem Blick auf die Suchergebnisse des Buchungsportals Airbnb. Dort werden derzeit nur noch gesamte Unterkünfte und Wohnungen mit separatem Zugang angeboten. Die Folge: Günstige Bleiben wie Privatzimmer und Mehrbettzimmer fallen aus dem Angebot, und damit steigt das Preisniveau. Das kann beim Nutzer zu dem Gefühl führen, dass die Unterkünfte und damit der Urlaub wegen Corona teurer werden.

Trotzdem finden Reisende auf der Website auch weiterhin „authentische Unterkünfte in allen Regionen Deutschlands, die diese veränderten Bedürfnisse erfüllen“, sagt Kirstin MacLeod, Sprecherin des Buchungsportals. Sie ist sich sicher, dass „sich die Reisebranche von dieser Krise erholen wird, aber das Reisen nach der Pandemie zunächst anders sein wird“.

Steigende Preise erst in den nächsten Jahren?

Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes, zeichnet ein ähnliches Bild im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland: „Für steigende Preise sehen wir noch keine belastbaren Hinweise. Wir gehen davon aus, dass es noch nicht zu steigenden Preisen kommt. Das kann aber von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich sein.“ Dass allerdings durch die Corona-Krise viele Gastgeber Kredite aufnehmen mussten, könne in den kommenden Jahren dazu führen, dass Preise steigen und Urlaub teurer wird.

„Grundsätzlich haben wir in Deutschland ein im internationalen Vergleich äußerst attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Das ändere sich zunächst auch durch die Corona-Krise nicht.

Letztendlich hänge die Preisgestaltung aber von vielen Faktoren ab, auch von Angebot und Nachfrage. Deshalb seien Prognosen schwierig. Denn: „Wie sich die Preise entwickeln, lässt sich nicht vorhersagen.“

Tui-Chef erwartet billigeren Urlaub im Sommer

Tui-Chef Marek Andryszak hingegen wagt im Interview mit dem deutschen Tv-Sender „RTL“ eine recht eindeutige Prognose: „Urlaub wird billiger!“ Das liege unter anderem daran, dass viele Teile der Infrastruktur in den Urlaubsregionen derzeit leer stehen. „Ich glaube nicht, dass wir Poolparties oder Aerobic in geschlossenen Räumen sehen werden“, sagt der Tui-Chef. 

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Wo gibt es noch freie Unterkünfte für den Sommer?

Steigende Nachfrage und stagnierende Preise: Der Ansturm auf Ferienunterkünfte in Deutschland dürfte im Corona-Sommer noch einmal deutlich in die Höhe schnellen. Hinzu kommt, dass bereits vor der Pandemie zahlreiche Ferienunterkünfte an der deutschen Küste vergeben waren.

Denn laut Upmann buchen viele Menschen bereits im Dezember oder Januar ihren Jahresurlaub. Wer nicht wegen des Coronavirus storniert hat, der hat sein Ferienhaus am Meer also bereits sicher. 

Nordsee statt Spanien und Ostsee statt Italien

Alle anderen schwimmen nun auf der zweiten Buchungswelle mit. „Die findet unabhängig von Corona kurz vor den Sommerferien statt. Dann buchen die Kurzentschlossenen ihren Sommer-Urlaub etwa zwei bis drei Monate im Vorlauf. Mit der jetzigen Welle liegen wir immerhin noch sechs bis acht Wochen vor den Sommerferien.“ Das Einzige, was nun anders ist: der immense Anstieg der Nachfrage. 

Normalerweise sind in diesem Zeitraum Ferienunterkünfte in Spanien, Italien und Südfrankreich besonders gefragt. Dieses Jahr konzentriere sich das Suchvolumen laut Upmann wegen des Coronavirus mit bis zu 80 Prozent vor allem auf Ziele innerhalb Deutschlands. 

Dabei sind besonders Unterkünfte am Wasser beliebt – also zum Beispiel Nordsee, Ostsee, Mecklenburgische Seenplatte und Bodensee. „Wer da in diesem Jahr kein Glück mehr hat, aber trotzdem ans Meer möchte, der kann sich nach Objekten umsehen, die einige Kilometer von der Küste entfernt sind. Besonders in kleineren Orten wird man da oft fündig“, rät der Experte.